Villa Berberich zeigt Werke eines japanischen Ausnahmekünstlers

BADISCHEN ZEITUNG und des SÜDKURIERs

Mittwoch, 3. Juni 2026

Von Michael Gottstein

Bad Säckingen Fantasievoll, exzentrisch, ausgestattet mit satirischem Blick, gar ungestüm: Das sind Adjektive, die mit dem japanischen Künstler Kawanabe Kyosai (1831 bis 1889) oft in Verbindung gebracht werden. In der Villa Berberich kann man bis Ende Juni eine Ausstellung von mehr als 100 Werken dieses Ausnahmekünstlers bewundern.

Bürgermeister Alexander Guhl dankte der Deutsch-Japanischen Gesellschaft/Freundeskreis Nagai-Bad Säckingen, die mit ihrer insgesamt 37. Ausstellung erneut den Kulturkalender der Stadt bereichert. Die Musiker Kaori Yano (Viola) und Tomohisa Yano (Cello) stimmten mit Werken europäischer und japanischer Komponisten auf die originelle Kunst-Welt Kyosais ein.

Der Präsident der Gesellschaft, Peter Haußmann, berichtete, dass Mitglieder im Jahr 2017 die Ausstellung „Götter, Krieger und Dämonen“ im Schloss Meßkirch besucht hätten. Dort waren auch Arbeiten Kawanabe Kyosais aus der Kollektion des Pforzheimer Kenners Günter Beck zu sehen. Die Gesellschaft nahm Kontakt mit dem Sammler auf, und nach Ausstellungen in Bietigheim-Bissingen und Würzburg kommt nun auch Bad Säckingen in den Genuss dieser Präsentation.

Neben Günter Beck hatte auch Susanne Germann, Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Baden-Württemberg, die bereits die Ausstellung „Schildkröten und andere Glückssymbole“ begleitet hatte, einen erheblichen Anteil am Zustandekommen der jüngsten Präsentation. Sie bettete das Werk Kyosais in den historischen Kontext ein.

Im 19. Jahrhundert verblasste die feudalistische Edo-Zeit, und diesen Wandel erlebte der Künstler am Schicksal seiner Familie mit: Sein Vater war Samurai, doch diese von strengem Ehrenkodex geprägte Kriegerkaste wurde ökonomisch und sozial funktionslos, so dass der Vater als Feuerwehrmann arbeiten musste, was er als unter seiner Würde empfand. Im Jahre 1853 erzwangen amerikanische Kriegsschiffe die Öffnung des bis dahin isolierten Landes, und das neue Kaiserreich ahmte vor allem in technologischer und wirtschaftlicher Hinsicht die westlichen Staaten nach. Das Talent des jungen Kawanabe Kyosai wurde früh erkannt, und bereits mit sechs Jahren ging er bei einem Künstler in die Lehre und studierte anschließend bei den tonangebenden Kano-Malern. 1849 beendete er seine Ausbildung, und ab 1857 arbeitete er als freier Künstler. Kyosai war auch dem Alkohol zugeneigt und wurde wegen einer obszönen Karikatur zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

In Japan tätige Europäer wie der Arzt Erwin von Baelz und der Architekt Josiah Conder erkannten das Talent Kyosais, der in drei Stunden eine Fläche von fast 20 Quadratmetern füllen konnte. 1881 wurde seine Tuschezeichnung „Winterkrähe auf einem Ast“ ausgezeichnet, was zu einem Boom von Krähenbildern führte, von denen drei Werke (als Tuschezeichnung und als Druck) in der Villa Berberich zu sehen sind.

Unter den mehr als 100 Werken, die ausschließlich aus der Sammlung Günter Becks stammen, befinden sich Zeichnungen, Holzschnitte, Blockbücher und Rollbilder, die Themen der japanischen Mythologie, aber auch zeitgenössische Sujets aufgreifen. Kyosais meisterhafte Beherrschung japanischer Kunsttechniken verbindet sich oft mit einem ungestümem Ausdruckswillen. Selbst einem traditionellen Motiv wie der „Dame, einen Pflaumenzeig pflückend“ konnte er eine gewisse Komik abgewinnen. Die Besucher der Ausstellung können sich an der handwerklichen Perfektion und der enormen, manchmal satirisch zugespitzten, Erzählfreude erfreuen. Zum besseren Verständnis führen Begleittexte in die Welt der japanischen Mythologie ein.

Kyosai gelingt es, in wenigen Strichen das Wesentliche einzufangen, andere Werke zeichnen sich hingegen durch einen überbordenden Detailreichtum aus. „Oft haben seine Werke eine zweite, symbolische Bedeutung“, so Susanne Germann. Etwa die Illustration einer Fabel, die von einem Löwen erzählt, welcher eine junge Frau heiraten wollte. Deren Vater stimmte erst zu, nachdem sich der Löwe die Krallen und Zähne hatte ziehen lassen. Am Ende wurde der Löwe davongejagt. Das wehrlos gewordene Tier ist das Symbol Japans, das sich bereitwillig den westlichen Mächten unterwarf.

Die Ausstellung

Die Ausstellung ist mittwochs, donnerstags und samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Am Samstag, 6. Juni, 15 Uhr, hält Susanne German einen Vortrag, und am Sonntag, 14. Juni, 11 Uhr, und am Sonntag, 21. Juni, 15 Uhr, bietet sie jeweils eine Führung an. Zur Finissage am Sonntag, 28. Juni, 11 Uhr, referiert sie über Kyosais unterhaltsame Bilder. Zur Ausstellung erscheint ein illustrierter Begleitband.