Vierzig Jahre gelebte Freundschaft zelebriert der Freundkreis Nagai-Bad Säckingen

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft in Bad Säckingen feiert 40 Jahre Kulturaustausch mit Nagai. Auch in diesem Jahr wird es eine Ausstellung mit japanischer Kunst geben.  

BADISCHE ZEITUNG Michael Gottstein Di, 27. Jan 2026, Bad Säckingen

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft/Freundeskreis Nagai-Bad Säckingen hat am Freitag ihre Mitglieder zum traditionellen Neujahrsempfang und zur Feier ihres 40. Geburtstages eingeladen. „Wer hätte vor 40 Jahren gedacht, dass sich unser Verein so gut entwickeln würde“, meinte der Vorsitzende Peter Haußmann und dankte den aktuell 178 Mitgliedern für ihre Treue. Die vergangenen vier Jahrzehnte waren von vielen Höhepunkten, gelegentlich aber auch schwierigen Phasen geprägt.

Getragen wurde der Freundeskreis von der Begeisterung für die japanische Kultur in all ihren Facetten und dem Bemühen um Kulturvermittlung in beide Richtungen. Dank der guten Beziehungen zu den diplomatischen Vertretungen und Experten war es gelungen, 35 Ausstellungen in Bad Säckingen zu organisieren, von denen viele eine weit über die Region hinausstrahlende Bedeutung erlangten. Doch der Gesellschaft ist es wichtig, die Menschen zu Workshops einzuladen und zu ermutigen, selbst aktiv zu werden, etwa in den Bereichen Ikebana, Origami und Kalligraphie. „Wer etwas mit den Händen und dem Kopf tut, der behält Erkenntnisse und Erfahrungen, die man mitnehmen kann“, so Peter Haußmann. Besonders wichtig ist es der Gesellschaft, Kinder und Jugendliche anzusprechen und die Beziehungen zu Nagai auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen.

„Bad Säckingen ist eine der ersten Städte in Baden-Württemberg, die eine Partnerschaft mit einer japanischen Kommune geschlossen haben“, erklärte Ehrenpräsidentin Regine Haußmann in ihrem umfangreichen und reich bebilderten Rückblick. Doch die Geschichte der Beziehungen zwischen Bad Säckingen und Japan reicht weiter zurück als 40 Jahre. 1972 wurde Peter Haußmann von der Ciba-Geigy nach Japan entsandt. „Es war am Anfang schwierig, denn wir hatten keine Gelegenheit, vorher Japanisch zu lernen“, so Regine Haußmann. Doch die junge Familie integrierte sich schnell, und Regine Haußmann wurde in eine japanische Webschule aufgenommen. Nach fünf Jahren kehrte die Familie zurück nach Deutschland, und Regine Haußmann nahm nicht nur solide Kenntnisse in japanischer Textilkunst, sondern die bleibende Begeisterung für Japan mit nach Hause. Bald darauf organisierte sie die Ausstellung „Kunst und Handwerk“, die 30 Jahre lang ein Höhepunkt im Kulturkalender der Stadt Bad Säckingen war.

Im Jahre 1983 wurde die Städtepartnerschaft mit Nagai begründet, und drei Jahre später, am 21. Januar 1986, wurde der Freundeskreis ins Leben gerufen, um die Beziehung auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen. Der erste Präsident war Joachim Uhlir, bald darauf übernahm Regine Haußmann (bis 2002) die Leitung. Die weiteren Präsidenten waren Michael Gütter, Stephan Molitor und Daniel Marterer, und seit 2011 leitet Peter Haußmann den Verein.

m Gründungsjahr wurden gleich vier bedeutende Ausstellungen zum Thema Japan organisiert, unter denen die Präsentation von japanischen Farbholzschnitten aus dem Rietberg-Museum Zürich herausragte. Als sehr fruchtbar erwies sich die regelmäßige Zusammenarbeit mit der Ikebana-Meisterin Margot Kawinski und der Kalligraphie-Künstlerin Rie Takeda. Ein Glanzlicht war die Ausstellung zur Indigo-Färberei unter dem Titel „Blaues Wunder“, die 1994 zur Einweihung der Firma Engel gezeigt wurde und in das Deutsche Museum nach München weitergereicht wurde. Dank des Freundeskreises und dessen ausgezeichneten Beziehungen, etwa zum Japanischen Kulturinstitut in Köln, wurde die Villa Berberich zum Ort von Ausstellungen, die weit über die Grenzen der Kleinstadt hinaus Beachtung fanden. Kunstgewerbe und Volkskunst, Fotografien und Farbholzschnitte waren wiederkehrende Themen. Zur Präsentation japanischer No-Masken, die den schwäbisch-alemannischen Fasnachtsmasken gegenübergestellt wurden, reiste gar der japanische Botschafter an. Zu den bestbesuchten Veranstaltungen zählte die Ausstellung „Papier und Bambus“.

Auch breitenwirksame Projekte wie der Auftritt japanischer Löwentänzer in der Bad Säckinger Innenstadt regten das Interesse an der japanischen Kultur an, und es gelang der Gesellschaft, ein Torii – ein japanisches Tor, das den Eingang zu einem Schrein markiert – im Teich bei der Villa Berberich aufzustellen. Aber auch in umgekehrter Richtung funktionierte der Kulturaustausch, und so wurde die Oper „Der Trompeter von Säckingen“ in Nagai aufgeführt. Regine und Peter Haußmann zeigten sich erfreut, dass die Stadt Nagai mittlerweile wieder Einladungen ausspricht. Und bei einer Delegationsreise wurden Regine und Peter Haußmann zu „außerordentlichen Ehrenbürgern von Nagai“ ernannt.

Ein weiterer Höhepunkt ist für diesen Sommer geplant, denn vom 31. Mai bis zum 28. Juni werden Werke des Künstlers Kawanabe Kyosai (1831 bis 1889) in der Villa Berberich zu sehen sein. Die Exponate wird der Sammler Günter Beck zur Verfügung stellen.https://www.badische-zeitung.de/vierzig-jahre-gelebte-freundschaft-zelebriert-der-freundkreis-nagai-bad-saeckingen